Am 14. März 2026 führte der III. Weg in Berlin Marzahn einen Aufmarsch mit weniger als 200 Teilnehmenden durch. Auch wenn die Demonstration unter dem Motto „Unsere Alternative heißt Revolution“ angekündigt war, wurde mit dem Titel des Fronttransparents „Eigenheim statt Plattenbau“ ein anderer inhaltlicher Schwerpunkt gesetzt. So fordert der III.Weg in seinem 10 Punkte Programm zum „Umweltschutz und Heimatschutz“ „Großstädte mit über 100 000 Einwohnern sind menschen- und familiengerecht zurück- und umzubauen“. Damit offenbart die Partei ihr verfehltes Verständnis der Lebenssituation vor allem ostdeutscher Arbeiter*innen. So waren die Marzahner Plattenbauten bis zur Wende mit ihren großen Grün- und Erholungsflächen Zeichen des gewachsenen Wohlstandes der arbeitenden Bevölkerung. Der durch die Wende eingeleitete Verfall mit dem Schließen der Sozialräume, strukturellem Renovierungsbedarf und dem nicht Verfolgen der stadtplanerisch angedachten weiteren Infrastrukturmaßnahmen für den Bezirk ist auf den Profitmaximierungsgedanken im Kapitalismus zurückzuführen. Denn in diesem zählt nun einmal nicht eine möglichst schöne Wohnsituation zu schaffen, sondern maximal hohe Profite mit den Wohnungen auf dem Rücken der Bewohner*innen zu erwirtschaften. Das Eigenheim nun zu Rettung der Gemeinschaft auszurufen ist im Angesicht der gegenseitigen Abschottung vieler Einfamilienhausbesitzer*innen am Stadtrand eine realitätsferne Position.
Grund für solche Ideen ist auch das fehlende Verständnis des Kapitalismus der Partei. Auf dieser Website sind bereits drei ausführliche Artikel zum Antikapitalismus des III.Weg erschienen. Zu einer weiteren Einordnung der Inhalte der Demonstration möchten wir auf diese verweisen.
Neben der Werbung fürs kleinbürgerliche Eigenheim setzte vor allem die Jugendorganisation Nationalrevolutionäre Jugend den inhaltlichen Schwerpunkt „Krieg den Drogen“, der auf mehreren Transparenten zu lesen war. Dabei wurde sich zumindest auf den Plakaten nur auf illegalisierte Drogen und nicht auf die größte Volksdroge Alkohol eingegangen. Im Allgemeinen ist die Kritik des III.Weg am Drogenkonsum vor allem im Sinne der Erhaltung der „weißen Rasse“ und nationalsozialistischen Kampfgemeinschaft zu verstehen und weniger der Gesundheit der Allgemeinbevölkerung. Denn mit Mitgliedern und Sympanthisant*innen die augenscheinlich auch gerne mal auf Steroide zurückgreifen oder gerne mal das eine oder andere Glas Alkohol zu viel trinken scheint es weniger Probleme zu geben. Außerdem scheint ein Großteil der NRJ sehr starken Gefallen am Rauchen gefunden zu haben, wie bereits bei vielen Gelegenheiten beobachtet werden konnte. Das von ihnen zur Schau gestellte sportliche Image mit NS Straight-Edge gehabe ist nicht mehr als nur Fassade für die eigenen Social Media Kanäle.
Wie schon bei dem letzten Aufmarsch in Berlin vor einem Jahr ist nur ein sehr geringer Teil der Demonstrierenden im Raum Berlin-Brandenburg wohnhaft. Nicht einmal jede vierte Person kann den lokalen Stützpunkten zugeordnet werden. Aufgefüllt wurde die Demonstration mit Kadern aus dem gesamten Bundesgebiet, dabei besonders stark waren Personen aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen vertreten. Die Hierarchien innerhalb der Organisation waren schon auf dem Auftaktplatz klar erkennbar. So waren bei Gesprächen zwischen der Polizei und dem Parteivorsitzenden und Anmelder der Demonstration Matthias Fischer auch immer der Stützpunktleiter Berlins Oliver Oeltze und der Stützpunktleiter Mecklenburg-Vorpommerns David Mallow anwesend. Die Ordner- und Kommunikationsstruktur wurde von erfahrenen Kadern aus dem gesamten Bundesgebiet übernommen. Darunter Manuel Ganser, Karl-Heinz Statzberger, Alexander Kevin Pieper, Guido Howald, Ian Patzsch, William Kleinrensig, Philipp Rang sowie die Personen 26, 80, 117, 170 und 123.
Während der Demonstration gaben die Berlin-Brandenburger NRJ Aktivisten Erik Storch, Lennart Henze, Erik Wichmann und Emil Nitschke mit Megafonen die Sprechchöre vor. Da die Größe der Demonstration nicht besonders beeindrucken konnte, ist die mediale Aufbereitung dieser besonders wichtig. So waren Wicky Wietasch und 168 während der gesamten Demonstration damit beschäftigt Aufnahmen zu machen. Neben diesen waren weitere Neonazis mit Kameras, GoPros und Handys unterwegs, um die bestmögliche Inszenierung der Demonstration für die sozialen Medien vorzubereiten. Darunter Kai-Andreas Zimmermann, Björn Rimmert, 43, 161, 187 und 188. Für die Anti-Antifa Aufnahmen war wie gewohnt Larsen Aslan zuständig.
Zum Auftakt hielten der Parteivorsitzende Matthias Fischer und der aus Bayern angereiste Thorsten Kokula reden, während am Ende wieder Fischer und diesmal Julian Bender das Wort an die versammlten richteten.
Im Nachgang der Demonstration fuhr die Teilnehmenden geschlossen nach Wittstock, um dort das erste Parteibüro im Raum Berlin-Brandenburg zu eröffnen. Dabei ist Wittstock nicht zufällig gewählt. Während der Proteste gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona Pandemie gelang es dem III.Weg einige Mitglieder in der Region zu gewinnen und die Akzeptanz der lokal stark verankerten Neonaziszene zu erhalten. Die Eröffnung des Parteibüros ist die logische Folge, da es der Partei außerhalb der Prignitz kaum gelang lokal verankerte Strukturen aufzubauen und die Partei sonst eher einem stark verteilten Flickenteppich gleicht. Auch wenn der III. Weg bisher mit dem Aufbau solcher Parteibüros in den meisten Städten am Ende gescheitert ist und aktuell nur ein weiteres Parteibüro in Hilchenbach besteht, muss dieser Versuch eines lokalen Strukturaufbaus antifaschistische Gegenwehr auch in Regionen erzeugen, die weit weg von der vermeintlich sicheren berliner Innenstadt liegen.