Kampfsport, Gewalt und neue Strukturen. Rückblick auf das Jahr 2025

10. Januar 2026

Im Jahr 2025 büßte Der III. Weg“ in Berlin zwischenzeitlich die Rolle als bekannteste Neonazistruktur ein. Dies lag am Auftreten verschiedenster neuer Neonazigruppierungen wie der „Deutschen Jugend Voran (DJV)“, aber auch an einigen Anpassungen der eigenen Aktionsformen. Dabei standen 2024 alle Vorzeichen auf Konfrontation. Überfälle auf Antifaschist*innen in Hellersdorf, der Angriff auf den Anreisetreffpunkt zu der antifaschistischen „Nach Den Rechten Schauen“ Demonstration am Ostkreuz und das provokative Kampfsporttraining kurz darauf im Stadtpark Lichtenberg sollten Signale der Stärke in Richtung des politischen Gegners senden. Als am 18. Juli 2024 die staatliche Repression in Form von Hausdurchsuchungen einsetzte, wurden die Aktivitäten erst einmal merkbar zurückgefahren. Schon wenige Monate später kehrten die Neonazis mit der bekannten Mischung aus Infoständen und Graffiti Aktionen zurück. Seit dem Angriff am Ostkreuz sind den Neonazis keine weiteren Angriffe auf Antifaschist*innen in Berlin gelungen. Seit Gründung der NRJ müssen die Neonazis damit rechnen, dass jedwede Aktivität im Raum Berlin dokumentiert wird und alle Beteiligten an ihren Aktionen in den Fokus antifaschistischer Recherche geraten. Dadurch können die Beteiligten der regelmäßigen versuchten Angriffe und Einschüchterunge gegenüber Antifaschist*innen identifiziert werden. Für aktive Kader der NRJ ist Anonymität kaum aufrecht zu erhalten. Der Angriff am Ostkreuz scheint die antifaschistische Bewegung Berlins zusätzlich wachgerüttelt zu haben. So ist es für den III. Weg inzwischen deutlich schwieriger geworden überraschend zuzuschlagen.

Die Aktionsformen des III. Weg im Raum Berlin wiederholen sich regelmäßig. Zu diesen gehören politische Graffitis für allerlei Solidaritätsaktionen, Infostände mit kurzen Aufenthalten und regelmäßigen Ortswechseln und immer wieder Einschüchterungsversuche antifaschistischer Aktionen. Beim Aufmarsch zum 10-Jährigen Bestehen des Stützpunkts am 29. März 2025 wurden 260 Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet nach Berlin-Hellersdorf mobilisiert. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Parteimitglieder, von denen die Stützpunkte aus Berlin und Brandenburg aber nur einen sehr geringen Anteil ausmachten. Dass Aufmärsche nicht einmal mehr angekündigt werden und dazu Routen in Randbezirken gewählt werden, die für die Polizei extrem einfach durchzusetzen sind, zeugt von einer gewissen Furcht der Partei vor antifaschistischen Gegenmobilisierungen. Dass die Neonazis nach der Demonstration den Raum Berlin sofort geschlossen verließen und ihre Feier weit weg veranstalteten verdeutlicht, dass von einer starken regionalen Verankerung keine Rede sein kann.

Während der Strukturausbau in Berlin nicht wirklich gelingen mag findet vor allem die NRJ stärkeren Zuwachs in Brandenburg. Die Entwicklung ist nicht neu. Beschränkt sich der Einzugsraum der älteren Kader der Partei vor allem auf die Prignitz und die Uckermark, hat es die NRJ geschafft vereinzelte Kader aus dem gesamten Bundesland an sich zu binden. Dabei vollzieht sich eine umgekehrte Entwicklung zur Anfangszeit der Gruppe. Während noch vor ein paar Jahren die Jungnazis der Division MOL aus dem Brandenburger Umland nach Berlin zogen, um von hier aus ihren Stützpunkt zu unterstützen, macht sich nun eine Schwerpunktverlegung nach Brandenburg bemerkbar.

Stützpunktgründung Spreewald/Lausitz

Lange war der III. Weg in der Lausitz nicht sonderlich präsent. In den Anfangsjahren des III. Weg in Brandenburg beschränkte sich die Aktivität hier vor allem auf vereinzelte Flyeraktionen. Häufig wurden diese umgesetzt durch den langjährigen Kader , der in Cottbus wohnhaft ist und seit März 2022 im Rahmen der Partei auftritt. Anfang Februar 2022 kam es zum ersten „Aktionstag Cottbus“. Die Aktionstage bestehen in der Regel aus Flyerverteilungen und/oder einem Infostand vor der Stadthalle. Hierfür reist der Brandenburger Stützpunkt meist in größerer Personenstärke an. Diese Aktion wiederholten sie im Dezember des gleichen Jahres. Seit 2023 war die NRJ mehrfach in größerer Personenstärke in Cottbus, verteilte Flyer und warb gezielt um Jugendliche. Im Oktober 2024 erstellte die Partei einen separaten Social Media Account für die Region Cottbus, der inzwischen jedoch von Instagram gesperrt wurde. Auch ein aufwändiges Propagandavideo mit Bezug zur Bombadierung Dresdens wurde in Cottbus gedreht und im Februar 2025 veröffentlicht. Selbst den Wahlkampfabschluss zur Europawahl 2024 beging die Partei mit Infoständen vor der Cottbusser Stadthalle, sowie vor dem Stadion der Freundschaft. Gerade an Spieltagen setzt so eine Aktion vor dem Stadion des FC Energie Cottbus die Akzeptanz der aktiven Fanszene voraus.

Auffällig ist, dass die öffentlichen Aktionen in Umfang und Häufigkeit zunehmen. Mit , , sowie , und hat die NRJ aktive Kader gewinnen können, die in der Region an allen Aktionen beteiligt sind. Diese Entwicklung zog am 29. März 2025 die logische Konsequenz nach sich mit der Gründung des neuen III. Weg Stützpunkts „Lausitz/Spreewald“. Im Anschluss der Demonstration des III.Weg am Nachmittag in Berlin-Hellersdorf zog es die Teilnehmenden  ins „Deutsche Haus“ in Burg. Die Immobilie im Spreewald ist seit 2020 im Besitz des Cottbusser Neonazis Daniel Grätz. Dieser ist bekannter Netzwerker und Geschäftsmann der lokalen Neonaziszene und eng angebunden an das extrem gewaltaffine Milieu der sogenannten „Kampfgemeinschaft Cottbus“. Bei Ermittlungen gegen diese wurde im Jahr 2019 auch die Wohnung von Grätz durchsucht.

Im neuen Stützpunkt scheint als Stützpunktleiter aufzutreten. Laut der Partei umfasst der Stützpunkt „Lausitz/Spreewald“ die Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Elbe-Elster, Spree-Neiße, Oder-Spree und Dahme-Spreewald und somit den gesamten Raum im süd-östlichen Brandenburg. Seit der Gründung häufen sich Aktionen im Gebiet des neuen Stützpunktes.

Doch auch Aktionen zu denen sich die Partei nicht öffentlich bekennt, nehmen in der Region zu. Die gewaltsamen Übergriffe, die für die NRJ noch vor einem in Berlin charakteristisch waren, wurden im letzten Jahr bis zur Inhaftierung derer Führungskader von Jungnazis aus dem Spektrum der DJV begangen. Diese waren jedoch deutlich weniger professionell vorbereitet als die Aktionen der NRJ aus den Vorjahren und betrafen vor allem einzelne Opfer, die sich kaum zur Wehr setzen konnten. Die NRJ scheint sich bei ihren gewalttätigen Aktionen ebenfalls Cottbus als neues Aktionsfeld ausgewählt zu haben. Exemplarisch dafür steht ein Angriff vom 07. Dezember 2024. Nachdem die NRJ an diesen Tag auf dem Cottbuser Weihnachtsmarkt Propagandamaterial verteilt hatte, markierten die Neonazis und in den Abendstunden ein linkes Hausprojekt mit Parteistickern und Markern. Als sie auf eine Person aufmerksam wurden die die Propaganda entfernte, bedrohten sie diese vermummt, versuchten den Rucksack zu entwenden und schlugen anschließend mit Fäusten und einer Glasflasche auf sie ein. Die angegriffene Person musste ambulant im Krankenhaus behandelt werden. Eben dieser war es auch, der aus einer Gruppe von einem Dutzend Neonazis am 15. Juni die Veranstaltung „Bad Freienwalde ist bunt“ angriff. Die Ermittlungen zu beiden Fällen wurden mittlerweile durch die Polizei eingestellt.

Das Auflauern und Ausrauben von Einzelpersonen vor bekannten Szeneorten ist bekanntes Vorgehen und trägt die Handschrift der NRJ Berlin-Brandenburg. Vor Einrichtungen, die öffentlich bzw. in rechten Kreisen als linke Szeneorte bekannt sind, versuchen die Nazis so an Informationen zu lokalen antifaschistischen Strukturen zu kommen. In Berlin kam das gleiche Vorgehen mehrfach im Umfeld des La Casa in Hellersdorf zum Einsatz. Die Angriffe und Einschüchterungen sind neben des Fotografierens von Teilnehmenden linker Demonstrationen Bestandteil der Anti-Antifa Arbeit, die die jungen Nazis seit einiger Zeit für sich entdeckt haben. Behilflich sind ihnen dabei zweifelsohne die älteren Parteikader, die diese Arbeit zur Zeit des NW-Berlins noch weitaus energischer geführt haben.

Kampfsport, Tattoos, Hooligans

Kampfsport spielt beim III. Weg und besonders in der NRJ eine zentrale Rolle. So geht es zum einen um die Verstärkung des rassistischen Überlegenheitsgedanken der Mitglieder durch körperliche Ertüchtigung. Zum Anderen dienen die Trainings natürlich auch der Vorbereitung von gewalttätigen Übergriffen zur Durchsetzung politischer Ziele, auch da die Partei aufgrund der Konkurrenz durch die AfD bis auf weiteres auch in Zukunft keine politischen Einflussmöglichkeiten erhalten wird.

Schwierigkeiten bestehen in Berlin beim Finden eines geeigneten Trainingsortes für die regelmäßigen Gruppentrainings. Der langjährige Trainingsort in Berlin-Weißensee wurde nach aktuellem Stand nach einer antifaschistischen Kampagne von den meisten Kadern aufgegeben. Über den Sommer wichen die Neonazis regelmäßig in Parkanlagen aus, auch um Präsenz zu zeigen.

In Brandenburg gibt es weitaus mehr Möglichkeiten ungestört bei Gleichgesinnten den Kampf mit dem politischen Gegner zu trainieren. So veröffentlichte die Partei am 13. Oktober 2024 ein erstes Trainingsvideo von einer öffentlichen Sportanlage im Cottbusser Stadtteil Sachsendorf. Teil nahmen nicht nur regionale Kader sondern die gesamte NRJ Berlin-Brandenburg, darunter , , , , und . Anfang 2025 kursierte dann ein erstes internes Trainingsbild auf den Social-Media Kanälen mehrerer NRJ-Kader. Verpixelt abgebildet ist darauf die Trainingsgruppe der NRJ mit dem Lübbener Neonazi und Hooligan Lucien Schönbach. Schönbach ist Teil der „Northside Crew“ und Protagonist der lokalen Szene aus rechten Hooligans des FC Energie Cottbus, Rockerstrukturen und Neonazis. Es ist davon auszugehen, dass Schönbach als Trainer der Gruppe fungierte. Schon bei der im Jahr 2023 vom neonazistischen Kampfsportevent „Kampf der Nibelungen“ mit veranstalteten  „European Fight Night“ trat Schönbach als Coach für den Kämpfer Martin Ruckert aus dem Brandenburger Team „Preußen Gloria“ auf. Die Trainings mit der NRJ wurden im Wochentakt bis Ende April 2025 fortgeführt. Im Sommer suchten sich die Neonazis dann wieder Parkanlagen zum gemeinsamen Sporttreiben, wohl auch aufgrund des langen Anreisewegs für viele Kader.

Auch der Stützpunktleiter des III. Weg Stützpunkts Spreewald/Lausitz ist Teil der rechten Subkultur der Region. Er arbeitete mindestens zeitweise als Tattowierer bei „Forever Tattoo & Piercing“, in Forst. Das Studio wird von den lokalen Hells Angels Strukturen betrieben, genauer genommen durch William Puder. Puder ist momentan auch Hauptmodel der neuen Label23 Kollektion und bekanntes Gesicht der extrem rechten Hooligangruppe „Inferno Cottbus“.

Seit November 2025 haben die Neonazis Zugang zu einem neuen Trainingsort. Der Box-Club 05 Fürstenwalde e.V. in Fürstenwalde wird aktuell jeden Sonntag von den Neonazis zum gemeinsamen trainieren genutzt. Am 29. November 2025 fand gar eine politische Schulungsveranstaltung in den Räumlichkeiten statt. Wie die Neonazis den Zugang zum Box-CLub erhielten ist bisher unbekannt. Das Training muss zumindest mit einer Person, die Schlüssel für die Räumlichkeiten des Vereins besitzt, abgesprochen sein.

Der Box-Club 05 Fürstenwalde ist Mitglied im Amateur Box-Verband Land Brandenburg e.V. (ABVLB). Dieser stellt das Team Brandenburg bei Deutschen Meisterschaften und vergibt u.a. Lizenzen für Boxtrainer*innen. Er ist Teil des Landessportbunds Brandenburg und wird dementsprechend öffentlich gefördert und finanziert. Der Landessportbund ist seit 20 Jahren Kooperationspartner im Netzwerk Tolerantes Brandenburg. Es bleibt zu hoffen, dass der Club sich diesen Werten verpflichtet fühlt und die Neonazis vor die Tür setzt.

Seit diesem Jahr ist der III. Weg mehrfach in Fürstenwalde aktiv geworden. Schon im Juni 2025 führte der III. Weg einen Infostand in Fürstenwalde durch. Ein wichtiger Rekrutierungsort für lokale Kader dürfte das Oberstufenzentrum „Europaschule OSZ Oder-Spree“ darstellen, an die für seine Ausbildung geht. Den betrieblichen Teil der Ausbildung absolviert er bei Lidl in Eichwalde. Es ist davon auszugehen, dass er versucht andere Berufsschüler*innen in die Strukturen des III. Weg zu integrieren.

Kampf bei Active Club Event in den Niederlanden

Beginnend mit dem „Kampf der Nibelungen“ als Großevent der neonazistischen Kampfsportszene, entwickelte sich der III. Weg mit seiner Arbeitsgemeinschaft „Körper und Geist“ zum zentralen Ansprechpartner für Sport- und gewaltbegeisterte Neonazis, überall wo dieser Strukturen aufgebaut hat. Als im Jahr 2024 das Konzept der Active Clubs nach Deutschland schwappte, hatte der III. Weg solche Strukturen längst in den eigenen Reihen etabliert. Active Clubs sind Gruppen von Neonazis die gemeinsam Sport treiben und diese Strukturen zur Rekrutierung von Jugendlichen nutzen, wobei der gemeinsame Sport als Türöffner in neonazistische Strukturen dient. Während vor allem in Skandinavien das Konzept sehr erfolgreich umgesetzt wird, sind in Deutschland nur wenige Gruppen aktiv. Grund dafür ist, dass die deutschen neonazistischen Parteien wie Der III. Weg oder Die Heimat schon seit einigen Jahren Kampfsport in ihren Strukturen zentral etabliert haben und das Angebot daher schon vorher bestand. Active Clubs existieren so in Deutschland eher in Regionen wo keine Parteistrukturen existieren oder die Aktiven mit diesen aus persönlichen Gründen nicht zusammen arbeiten wollen. So wird international als Kontakt für Neonazis auf der Suche nach Kampssportangeboten auch fast ausschließlich auf den III. Weg verwiesen und nur selten auf den „Active Club Germania“. So überrascht es nicht, dass auch die internationale Vernetzung der Active Clubs bei Neonazidemonstrationen vom III. Weg, insbesondere der NRJ Berlin-Brandenburg betrieben wird. Zentral ist dabeidie jährlich in Paris stattfindende Demonstration „C9M“, bei der sich Active Clubs aus Schweden und den Niederlanden mit der NRJ Berlin-Brandenburg und spanischen Neonazis trafen und austauschten. Ergebnis dieser Vernetzung sind regelmäßige Besuche der verschiedenen Gruppen, gegenseitige Solidaritätserklärungen bei Repression und die ersten gemeinsamen Events. So nahm an der Demonstration im März 2025 in Berlin-Hellersdorf auch ein Dutzend Neonazis des dänischen Active Clubs teil, über deren Strukturen vor kurzem das Recherchekollektiv „Redox“ einen Artikel veröffentlichte.

Neben gegenseitigen Besuchen, versucht sich das Netzwerk der Active Clubs inzwischen auch an den ersten selbst organisierten Kämpfen. So wurde im Oktober 2024 ein konspirativ organisiertes Kampfsportevent von der Polizei aufgelöst. Organisiert vom lokalen Active Club, trat gegenüber der Polizei der III. Weg als Veranstalter auf. Am 28. Juni fand die erste Veranstaltung des Active Club Dietsland in einem Zelt nahe des Ortes Zuidwolde statt, bei der ein Dutzend Kämpfe durchgeführt wurden. Anwesend waren neben dem ausrichtenden Active Club Dietsland auch Active Clubs aus Schweden, Tschechien und Frankreich. Angereist waren auch die Berlin-Brandenburger III. Weg Kader , , , , und . Böttcher trat dabei im Ring gegen einen bislang unbekannten Gegner an. Damit ist er nach aktuellem Stand der erste Neonazi aus den Reihen der NRJ Berlin-Brandenburg, der sich in einem Ring an einem Kampf beteiligt hat. Seine regelmäßige Teilnahme an gewalttätigen Übergriffen verdeutlicht die Gefahr, die von der Professionalisierung seines Kampfsporthintergrunds ausgeht. 

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