11.07.2026 – „Jugend im Sturm“ – Kampfsport und RechtsRock vereint beim III. Weg in Hilchenbach

1. September 2026

Am 11. Juli 2026 fand in Hilchenbach (Nordrhein-Westfalen) die Veranstaltung „Jugend im Sturm“ statt. Dabei wurden zwei Zugpferde der neonazistischen Erlebniswelt miteinander kombiniert: Kampfsport und RechtsRock. Erstmalig richtete der III. Weg eine Veranstaltung unter dem selben Namen 2018 im thüringischen Kirchheim aus, an der rund 220 Neonazis teilnahmen. Die Immobilie wurde zum Zeitpunkt bereits regelmäßig für Neonazi-Konzerte genutzt. Die Verbindung von Kampfsport und Musik, als politische Versammlung unter freiem Himmel, war in Kirchheim neu. Die Partei folgte damit dem Trend der Zeit, Events im öffentlichen Raum auszurichten und verschiedene Subkulturen der Szene zu verbinden, ähnlich dem „Schild & Schwert-Festival“ im ostsächsischem Ostritz.

Eine Folgeveranstaltung des „Jugend im Sturm“ im Juli 2019 wurde behördlich untersagt, worauf die Partei stattdessen am Tag des Events einen Protestmarsch mit rund 100 Teilnehmenden in Erfurt durchführte. 2020 konnte das Fest dann aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Die Jahre nach dem Ende der Pandemie fehlte es der Partei an geeigneten Objekten für ein solches Fest, u.a. war die Immobilie in Kirchheim nicht mehr nutzbar. Erst mit der Etablierung des „Tag der Heimattreue“ (TdH) im 2022 in Hilchenbach eröffneten „Bürgerbüro“ der Partei in Hilchenbach, war es dem III. Weg wieder möglich, Veranstaltungen im Stil des „Jugend im Sturm“ durchzusetzen. Erstmalig 2019 in Olpe (Nordrhein-Westfalen) als Kundgebung, noch zögerlich verbunden mit abgespeckten Kampfsport-Vorführungen und Auftritten neonazistischer Liedermacher, konnte wenige Jahre später beim TdH 2024 in Hilchenbach ein Konzert mit den sächsischen RechtsRock-Bands „Thematik 24“ und „Odessa“ dargeboten werden. Statt Selbstverteidigungskurs und Kampfsport-Vorführung konnte zum TdH 2024 außerdem ein Dreikampf ausgerichtet werden, als gemeinschaftliches Erlebnis. Im Oktober 2024 wurde zudem, maßgeblich aus den Reihen des III. Weg, versucht im rheinland-pfälzischen Hachenburg ein Kampfsportturnier auszurichten, das letztlich polizeilich aufgelöst werde. Der „Tag der Heimattreue“ und Versuche wie in Hachenburg waren die Wegbereiter für die Neuauflage des „Jugend im Sturm“ 2026.

Waren 2018 in Kirchheim die Stützpunkte aus Sachsen und Bayern tonangebend, spiegelte die jüngste Veranstaltung in Hilchenbach den Zuwachs der Partei im Westen und Nordosten Deutschlands. Die Art der Veranstaltung und Anzahl der Teilnehmenden, bis zu 250 Personen, hat sich im Vergleich zum „Jugend im Sturm“ 2018 kaum verändert. Eine öffentliche Bewerbung des Events fand dieses Mal jedoch nicht statt. Man wollte vor allem unter sich bleiben.

„Jugend im Sturm“ ist eine nicht öffentliche Veranstaltung, bei welcher die verschiedenen Arbeitsgruppen der Partei sich vorstellen, außerdem gibt es Rede- und Musikbeiträge, Essen kann man natürlich auch. Ein Tag der Arbeit und der Gemeinschaft. Es war also als Treffen der Partei und deren Freunde bzw. Interessenten geplant, die sich vorher eine Karte reservieren mussten(!)

So hieß es 2019 von Seiten des III. Weg als Reaktion auf das Verbot der Veranstaltung. Und so war es auch 2026, denn es wirkten ausschließlich Parteikader und Neonazis mit, deren Organisationen dem III. Weg sehr nahe stehen.

„Nur wer stürmt hat Lebensrecht“

In Hinblick auf das in dem Rahmen ausgetragene Kampfsport-Turnier ist feststellbar: im Gegensatz zum Kampf der Nibelungen (KdN), dessen Veranstaltungen auch auf ein breites neonazistisches Eventpublikum zielten, strebt der III. Weg nicht nach finanziellen Erfolg, sondern fokussiert sich auf die Stärkung der eigenen Gemeinschaft. Es wird ein ganzheitliches Konzept verfolgt, dass neben Musik und sportlichen Wettkämpfen auch Verkaufs-und Infostände einschließt, an denen der „Lifestyle“ der Partei geboten wurde. Zur Schau standen (kunst-)handwerkliche Erzeugnisse, die die „nordische Kultur“ aufgreifen sollten. Durch den konspirativen, geschlossenen Rahmen und seine Darstellung als Parteiveranstaltung, gelang es es dem III. Weg bisher, ein Verbot von „Jugend im Sturm“ zu entgehen – im Gegensatz zum KdN, der in Deutschland seit 2019 keine Turniere mehr durchführen darf.

Von der Öffentlichkeit abgeschirmt durch Planen und Banner, fanden insgesamt 9 Kämpfe in verschiedenen Kampfsport-Disziplinen statt. Als Kampfrichter wurde der Berliner Stützpunktleiter eingesetzt. Oeltze ist als Protagonist der AG Körper und Geist des III. Weg und seit vielen Jahren im rechten Kampfsport-geschehen aktiv. Er gilt in Berlin als einer der Ansprechpartner des KdN-Netzwerks. 2020 stieg er im Rahmen eines vom KdN konspirativ ausgetragenen Boxkampfes gegen Alexander Deptolla, das Gesicht des KdN, in Zossen (Brandenburg) in den Ring.

Neben Oeltze war mit Gerhard Hauser ein weiterer Baustein aus dem KdN-Netzwerk in Hilchenbach anwesend. Hauser, der in Essen eine Arztpraxis betreibt, unterstützt seit vielen Jahren Veranstaltungen der extrem rechten Kampfsportszene, wie den KdN, als Ringarzt. Darüber hinaus ist er Teil der völkischen Bewegung um die neonazistische Artgemeinschaft, die 2023 in Deutschland verboten wurde. Ein Dutzend Neonazis versuchten in Hilchenbach die An- bzw. Abreise Hausers abzuschirmen. Offenbar bewertete man Hausers Teilnahme am Event als brisant.

Wie schon im Rahmen vorangegangener neonazistischer Kampfsportveranstaltungen, reisten auch zum „Jugend im Sturm“ Neonazis aus dem Ausland an, laut eigenen Angaben aus Schweden, Dänemark, Tschechien und Griechenland. Darunter u.a. der Schwede Fredrik Vejdeland als Redner, der aktuell Vorsitzender des Nordic Resistance Movement ist und seit langem enge Beziehungen zum III.Weg unterhält. Aus Griechenland nahm Themis Kanaris am Event teil und kämpfte dort im Ring gegen vom III. Weg aus Mecklenburg-Vorpommern. Kanaris ist das Aushängeschild des neonazistischen Pro Patria Fightclub aus Athen, der in Griechenland mit dem „Pro Patria Fest“ eigene Turniere ausrichtete. Der Pro Patria Fightclub war eng an die inzwischen verbotene Partei Xrisi Avgi (Goldene Morgenröte) angebunden, u.a. durch Tätigkeiten im parteieigenen Sicherheitsdienst. Mit dem III.Weg und dessen Vorgänger Freies Netz Süd unterhalten die griechischen Neonazis seit über fünfzehn Jahren beste Kontakte und nehmen wechselseitig an Veranstaltungen teil. Ganze Delegationen deutscher Neonazis vom III. Weg reisten etwa regelmäßig zum IMIA-Marsch, dem größten Neonazi-Aufmarsch Griechenlands.

Das Neonazi-Gym Barbaria Sportgemeinschaft (86-93) aus Schmölln (Thüringen) um Coach , stellte in Hilchenbach gleich vier Kämpfer. Langner und sein Gym aus dem Altenburger Land sind im Netzwerk des KdN seit jeher bedeutsam. Schon auf den ersten Events des KdN trat Langner als Kämpfer an oder coachte andere Neonazis. Zudem waren die Räumlichkeiten des Sportstudios in Schmölln 2020 Austragungsort für ein konspirativ organisiertes Turnier des KdN, welches später online ausgestrahlt wurde. Durch Langners nunmehr langjährige Aktivitäten im Stützpunkt Westsachsen des III. Weg, hat die parteieigene AG Körper und Geist uneingeschränkten Zugriff auf das Gym. Was das bedeutet zeigt ein Werbevideo aus dem Frühjahr 2026, das in den sozialen Medien kursiert. Zu sehen sind dort die Räumlichkeiten des Gyms an der neuen Adresse – die alten Räumlichkeiten fielen 2021 einem Feuer zum Opfer –, die enorme Trainingsmöglichkeiten auf einer großen Fläche bieten. An den Wänden stehen markige Sprüche wie Nur wer stürmt hat Lebensrecht“. Auch RechtsRock-Konzerte fanden dort bereits statt. Es gibt bisher kein vergleichbares Fitness-und Kampfsportstudio, das von der extremen Rechten geführt und genutzt wird, wie das der Barbaria Sportgemeinschaft. Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz bewertet dies offenbar anders und sieht in dem Sportverein „in der Gesamtheit kein Beobachtungsobjekt“, wie aus einer kürzlich beantworteten „Kleinen Anfrage“ der Partei Die Linke hervor geht.

Für das Schmöllner Neonazi-Team kämpfte in Hilchenbach u.a. Faiz Grünewald, der wie Langner beim III. Weg im Raum Zwickau aktiv ist. Er trat gegen Kai Zimmermann an, der seit einigen Jahren die Medienarbeit des III. Weg betreut ist und seit über zehn Jahren im extrem rechten Kampfsport-Geschehen mitwirkt. 2017 trat er sogar als Abgesandter des KdN-Teams beim Neonazi-Turnier „Force et Honeur“ in Frankreich an. Ein weiterer Kämpfer der Barbaria Sportgemeinschaft trat gegen vom III. Weg aus Bayern an, ein anderer namentlich Unbekannter des Schmöllner Teams kämpfte gegen vom III. Weg aus Brandenburg.

Mit Tim Vollmar war zudem ein Mitglied des III. Weg aus dem Saarland Teil des Turniers, dessen Gegner Marian Becker den III. Weg-Strukturen in Rheinland-Pfalz angehört. Vollmars Begleiter und Coach, Kim Zimmer, ist bereits aus anderen Strukturen bekannt. Er gehörte im Saarland der Crew 38 an, der Unterstützerorganisation der Neonazi-Bruderschaft Hammerskin Nation.

Aus Mecklenburg-Vorpommern nahm außerdem am Turnier teil, der vom bekannten Neonazi gecoacht wurde, welcher in Hilchenbach zudem in seiner Funktion als Leiter des Stützpunkt Nord/Ost auftrat.

Wie zu erwarten, reiste auch eine Vielzahl Berliner und Brandenburger Neonazis um die regionalen Führungspersonen und an. Letzterer, der im Großraum Berlin die Jugendorganisation der Partei (Nationalrevolutionäre Jugend) leitet, bestritt in Hilchenbach auch einen Kampf. Der Nachwuchs der Partei in Berlin und Brandenburg fällt besonders häufig durch gewaltsame Übergriffe auf den politischen Gegner auf. Die Fähigkeiten dazu werden seit Jahren gemeinsam trainiert, auch wenn die Ausübung des Kampfsports selbst keinen professionellen Eindruck hinterlässt. Dies ist auch dem geschuldet, dass Trainingsräume und anleitende Personen Mangelware sind. Antifaschist*innen konnten immer wieder Trainingsorte ausfindig machen und die Neonazis zum verlassen dieser Räume zwingen. Im neuen Parteibüro in Wittstock (Brandenburg) scheint aktuell ein solcher Trainingsraum zu entstehen, der den Problemen Abhilfe schaffen soll.

Neben Böttcher und Storch kämpfte auch der Sohn der Brandenburger III. Weg-Anhängerin . Sein Gegner war vom III. Weg aus Rheinland-Pfalz. Auch das bekannte Berliner III. Weg-Mitglied stieg in den Ring. Im Jahr 2024 verletzte Schultze zwei Antifaschisten während einer körperlichen Auseinandersetzung lebensgefährlich mit einem Messer. Dass er im Anschluss an die Schlägerei diese weiter verfolgte, in der Absicht weiter auf sie einzustechen, wurde vom Berliner Gericht in der Urteilsverkündung im Januar 2026 nicht weiter berücksichtigt. Schultzes Gegner in Hilchenbach war Norik Eilert vom III.Weg Nordhessen, der von Kevin Kohl gecoacht wurde. Kohl ist ebenfalls Aktivist des III. Weg und Betreiber des Kampfsportstudios „Fight Club 21“ in Bad Wildungen. Mehrfach kämpfte er, wie auch Eilert, auf verschiedenen extrem rechten Turnieren, aber auch auf nicht-politischen Events.

Musikalischer Ausklang

Neben dem Kampfsport-Turnier wurde am Abend Live-Musik geboten. Dabei fand sich die RechtsRock-Band „Mjöllnir“ um Patrick Lohr, die NS-Black Metal-Band „Nordglanz“ um Norbert Noleppa und der Liedermacher „Wilhelm Kaiser“ ein. Letzteres ist das Projekt von Martin Päßler aus Leipzig, der schon seit Jahren als Musiker in den lokalen RechtsRock-Bands „Odessa“ und „Thematik 25“ mitwirkt. In Hilchenbach begleitete ihn Sebastian Klein, der bei „Odessa“ und „Thematik 25“ an der Gitarre steht. Mit Thomas Sachse, dem Sänger von „Odessa“, produziert Päßler den Podcast „Auf gut deutsch“. Gemeinsam mit Sachse unterhält Päßler, der im Raum Leipzig unter dem Pseudonym „Mpix LE“ als Fotograf tätig ist, besonders enge Kontakte zum III. Weg Stützpunkt um und Andreas Schüßler in Hilchenbach. Mit Schüßler, der früher als Liedermacher „Studio Drei“ aktiv war, und seinem aktuellen Musikprojekt „Ewige Eiche“, fanden bereits einige politische Kollaborationen statt. 2024 entstand darüber hinaus ein gemeinsames Lied. Bemerkenswert: weder Thomas Sachse noch Martin Päßler sind in Leipzig als Aktivisten des III. Weg bekannt.

Hilchenbach wird zur Wohlfühlzone

Seit mehreren Jahren zeichnet sich der lokale Stützpunkt des III.Weg in Hilchenbach mit der Durchführung allerlei Veranstaltungsformate aus. Das Parteibüro ist eins der wenigen deutschlandweit, das sich über einen längeren Zeitraum halten konnte. Dabei unterscheidet sich das Angebot etwa von dem des Parteibüros und Wohnprojektes in Plauen, deren Aktivitäten zwischen 2017 und 2024 auf die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung zielten. Das Büro in Hilchenbach dient hingegen vor allem der Schulung bereits gewonnener Kader und dem Experimentieren mit Veranstaltungsformaten. Unterstützt werden die lokalen Strukturen dabei regelmäßig von bundesweit anreisenden Delegationen anderer Stützpunkte und nicht zuletzt vom Parteivorsitzenden aus Brandenburg. Anwaltlich begleitet wurde das „Jugend im Sturm“ indes von Matthias Bauerfeind aus Bayern, der als langjähriger Kader des III. Weg bekannt ist. Er fungierte in Hilchenbach für die Polizei als Ansprechpartner. Die Jahre zuvor übernahm stets diese Aufgabe. Mit einem Anwalt vor Ort in solch einer Position erhofften sich die Veranstalter offenbar rechtliche Sicherheit bei der Durchführung der Konzerte und des Turniers.

Außerhalb des beinahe vollständig blickdicht abgeschirmten Geländes und auf dem Teil der Dammstraße, auf dem üblicherweise der Gegenprotest stattfindet, hatte der III.Weg am Vormittag zusätzlich eine Versammlung unter freiem Himmel angemeldet. Diese diente anscheinend dazu den Gegenprotest zu erschweren. Seitens der Hilchenbacher*innen gab es jedenfalls so gut wie keine Interesse an der Veranstaltung der Neonazi-Partei. Ab Nachmittag gab es dann lautstarken Protest durch das Bürgerbündnis am gewohnten Platz. Lediglich der Parteivorsitzende und Hausherr reagierten auf den lautstarken Protest des Bürgerbündnisses am Nachmittag sichtlich gereizt.

Während der Veranstaltung bewegten sich größere Gruppen von Neonazis auf den umliegenden Parkplätzen und in den Supermärkten ohne Polizeibegleitung. Generell fiel die Polizeipräsenz während des „Jugend im Sturm“ geringer aus, als bei den bisherigen Veranstaltungen. Weder den Anwohner*innen, noch der Lokalpresse scheint bewusst geworden zu sein, dass mitten in ihrer Stadt ein extrem rechtes Kampfsportturnier mit anschließendem RechtsRock-Konzert stattgefunden hat, mit deutlich über 200 teilnehmenden Neonazis, die dafür sogar aus dem Ausland anreisten.

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